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Reisetag 9

Am Samstag gab es mal wieder Frühstück zu einer humanen Zeit. So schön es in Abu Simbel auch gewesen war – das frühe Aufstehen war doch ein harter Kampf gegen den berühmten inneren Schweinehund gewesen.

Am Vormittag gab es die Möglichkeit, ein nubisches Dorf zu besichtigen. Wir beschlossen aber, darauf zu verzichten. So blieb uns am Vormittag ein wenig Zeit, noch mal über den Basar zu schlendern, Wasser zu kaufen und uns ein wenig umzusehen. Irgendwann trieb uns die Hitze jedoch zurück zum Schiff, das wir nun sogar noch fotografieren konnten, weil wir ausnahmsweise mal in erster Reihe eingeparkt hatten.

Eigentlich hätte das Schiff um 13 Uhr, während des Mittagessens, ablegen sollen, doch wie so oft war auch diesmal Murphy’s Law im Spiel. Beim Verlassen des Schiffs bekommt normalerweise jeder eine Bordkarte ausgehändigt, die er bei seiner Rückkehr wieder bei der Rezeption abgeben muss. An der Anzahl Bordkarten wird dann ermittelt, ob alle da sind. Diesmal gab es eine Differenz, woraufhin alle Reiseleiter in eine ziemlich panische Hektik verfielen und ihre Leute zusammen suchten. Irgendwann klärte sich das Mysterium des verlorenen Reisegastes aber, so dass wir nur mit einer halben Stunde Verspätung starten konnten.

Der frühe Nachmittag bestand dann gewohnheitsgemäß aus Sonnendeck und Malventee. Mehr ist bei dieser Hitze einfach nicht möglich.

Gegen 16.30 Uhr kamen wir wieder in Kom Ombo an, wo wir vor drei Tagen bereits Zwischenstation gemacht hatten, aber nicht von Bord gegangen waren. Nun konnten wir den Doppeltempel des Horus und des Sobek besichtigen, der schon bei der Fahrt Richtung Assuan ein schönes Fotomotiv gewesen war.

Es war mörderheiss an diesem Nachmittag! Das Quecksilber war bei 52°C hängen geblieben und auf dem Weg zum Tempel hatten wir das Gefühl, ordentlich durchgebraten zu werden. Die mittlerweile fast zur Gewohnheit gewordene Sicherheitskontrolle fiel besonders streng aus: Metalldetektor, Taschen durchsuchen, Leibesvisitation – diese aber nur bei den Männern, weil sie keine weiblichen Polizisten hatten. Wir hatten aber zum Glück nichts Verdacht erweckendes bei uns, sodass wir uns im offenen Hof des Tempels ein Schattenplätzchen suchen. Kein Wunder, dass die Alten Ägypter Amun-Ra, den Sonnengott, angebetet haben. Die Sonne entfaltet in diesem Land am Nil eine Kraft, vor der man durchaus eine gesunde Portion Ehrfucht bekommen kann…

Ahmed versammelte seine Sonnenkinder um sich, um über etwas sehr ernstes zu sprechen. Am Vorabend war in Sharm El Sheikh, einem Badeort auf der Sinai-Halbinsel, ein Anschlag auf zwei Hotels und einen Basar verübt worden, der über 100 Leben gefordert hatte – die meisten Opfer waren Ägypter. Wie soll man so etwas fassen? Man macht sich seine Gedanken über den Terrorismus, wenn man in ein Land reist, das immer wieder Ziel von Anschlägen ist, aber man versteht ihn nicht. Die Moslems verstehen ihn nicht, die Christen nicht, und alle anderen auch nicht. Was um alles in der Welt findet in den Köpfen dieser Fundamentalisten statt, die nicht einmal davor zurückschrecken, ihre eigenen Leute ins Verderben zu reissen? Ahmed erzählte von den Angestellten im Tourismusbereich, die alle noch zu gut vor Augen haben, dass der Anschlag in Luxor 1997 dafür gesorgt hatte, dass über ein Jahr lang kaum Touristen kamen, was für viele den Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet hatte, und was das für einen Mann bedeutet, der Alleinverdiener ist, kann man sich denken. Meine Gedanken sind noch heute bei diesen Menschen, die es einfach nicht verdient haben, wegen diesen Verrückten ihre Existenz zu verlieren!

Es war nach dieser traurigen Mitteilung nun an der Zeit, den Kopf wieder etwas frei zu bekommen und die Gedanken zu zerstreuen. Der Tempel von Kom Ombo eignet sich hervorragend dafür. Wie der Edfu-Tempel stammt auch dieses Bauwerk aus ptolemäischer Zeit. Die detailverliebten Hochreliefs lassen den oberflächlichen Beobachter glauben, die Künstler hätten hier mit Freude gearbeitet – doch ein etwas genauerer Blick gibt immer wieder kleine Fehler preis, wie beispielsweise zu lange oder zu dicke Arme der Figuren. Die Motivation ist verständlicherweise selten besonders hoch, wenn man von Leuten zur Arbeit genötigt wird, die man nicht mag…

Ein wirklich beeindruckendes Highlight des Tempels ist der vollständig erhaltene Kalender, der auf einer der Wände zu sehen ist. Verrät er doch, dass die Ägypter ein Jahr mit 12 Monaten zu je 30 Tagen hatten, denen am Schluss noch 5 weitere Tage für religiöse Feste hinzugefügt wurden. Das Jahr wurde in drei Jahreszeiten zu je 4 Monaten aufgeteilt: Zeit der Nilüberschwemmung, Zeit der Aussat, Zeit der Ernte. Damit war dieses erstaunliche Volk von unseren modernen Kalender gar nicht soweit entfernt. Ahmed erzählte, dass man bei den Pyramiden von Gizeh eine Steintafel gefunden habe, auf der Sternenkonstellationen zu finden waren, mit denen die Tafel von Astronomen genau datiert werden konnte. Immer wieder hat man den Eindruck, dass die Alten Ägypten von Dingen gewusst haben mussten, die wir uns noch nicht mal vorstellen können.

Im Heiligtum des Tempels gibt es hinter den Götterfiguren von Sobek und Horus einen Schacht, in dem sich, glaubt man den Legenden, ein Priester versteckte und dem Pharao durch den Mund des Gottes Anweisungen gab, die dieser dann auszuführen hatte. Man mag nun darüber spekulieren, ob der Pharao zu gutmütig oder total blöd war…

Der Nilometer der Sobek-Hälfte des Tempels ist eine speziellere Ausführung als in anderen Tempeln. In dem runden Becken lebte das heilige Krokodil, das Sobek verkörperte. Diese Krokodile wurden nach ihrem Tod mumifiziert und vergraben, danach machten sich die Priester auf die Suche nach einem neuen, passenden Krokodil. Erst vor wenigen Jahren wurde hinter der Tempelanlage ein Krokodilfriedhof entdeckt, in dem man über 200 Mumien fand. Drei davon sind in einem kleinen Anbau des Tempels zu besichtigen. Weil aber die Hitze draußen schon nur mit Mühe zu ertragen war, entschlossen sich einige von uns, nicht mit allen anderen in dieses winzige Kämmerlein zu gehen.

Nachdem Ahmed uns alle im Schatten einer Mauer hockend fand, degradierte er uns zu Schattenkindern – weil wir keine Kinder der heiligen Sonne sein könnten, wenn wir die Sonne nicht aushalten. Na gut, lieber Schattenkind als Hitzschlag…

Der Doppeltempel ist wirklich sehr schön mit seinen Reliefs. Auch die Tatsache, dass hier wirklich alles doppelt vorhanden ist, also jede Hälfte des Tempels allein existieren könnte, ist interessant, weil dies nur hier so ausgeprägt vorkommt.

Letztendlich trieb uns die Hitze aber alle zum Sammelpunkt, wo Ahmed meinte, er gehe jetzt zurück zum Schiff, aber wer noch länger bleiben wolle …. sei verrückt.

Wir entschlossen uns, für den Rückweg zum Schiff nicht den Weg durch den Basar zu nehmen. In der Nähe führte eine schmale Treppe hinunter zum Nil, wo man dann unterhalb des Basars auf einem schmalen Streifen Sand zur Anlegestelle balancieren konnte. Die Gefahr, dabei in den Fluss zu fallen, war hoch, aber alles ist angenehmer, als sich bei brütender Hitze gegen Verkäufer durchzusetzen.

Zurück in der Kabine wurde dann erstmal der Weltempfänger ausgepackt, in der Hoffnung, in deutscher Sprache genauere Informationen zum Anschlag auf dem Sinai zu erhalten. Mit viel Geduld bekamen wir Deutsche Welle rein und erfuhren, dass so mancher deutsche Ägypten-Tourist den frühzeitigen Heimweg angetreten hatte. In unserer direkten Umgebung fand sich allerdings niemand, der in Hysterie verfiel. Und das war gut so, denn Ägypten ist viel zu schön, um es einfach so überstürzt zu verlassen.

 
Bilder des 9. Reisetages
Reger Betrieb in Assuan (in neuem Fenster)
Reger Betrieb in Assuan
Feluke auf dem Nil (in neuem Fenster)
Feluke auf dem Nil
Tempel von Kom Ombo (in neuem Fenster)
Tempel von Kom Ombo
Tempel von Kom Ombo (in neuem Fenster)
Tempel von Kom Ombo
Tempel von Kom Ombo (in neuem Fenster)
Tempel von Kom Ombo
Tempel von Kom Ombo (in neuem Fenster)
Tempel von Kom Ombo
Kalender in Kom Ombo (in neuem Fenster)
Kalender in Kom Ombo
Tempel von Kom Ombo (in neuem Fenster)
Tempel von Kom Ombo
Krokodilmumie (in neuem Fenster)
Krokodilmumie
Tempel von Kom Ombo (in neuem Fenster)
Tempel von Kom Ombo
Sonnenuntergang (in neuem Fenster)
Sonnenuntergang
Wetter in Ägypten
Alexandria: 22°C
Kairo: 31°C
Luxor: 36°C
Assuan: 37°C