Allgemeine Navigation: Primäre Navigation:

Reisetag 13

Gegen zwei Uhr morgens kamen wir schliesslich mit unserem Minibus wieder am Hotel an. Ich war todmüde und hatte irgendwie das Gefühl, dass Pharaos Rache meinem Immunsystem einiges abverlangte.

Leider waren uns nur vier Stunden Schlaf gegönnt, was bedeutete, dass am Morgen zehn total verschlafene Habibi in den Speisesaal wankten. Da ich langsam überhaupt nicht mehr wusste, was ich essen sollte, blieb ich bei Obst und Kaffee.

Während ich das Wüstenklima recht gut ertragen hatte, wartete Kario mit feuchter, drückender Luft auf. Aber so früh am Morgen konnten wir erstmal ein wenig durchatmen. Es war noch angenehm kühl.

Unser Minibus sammelte uns um halb sieben vor dem Hotel ein, um uns zu den Pyramiden von Gizeh zu bringen. Vermutlich hat jeder irgendwann in seinem Leben schon ein Foto oder ähnliches von diesen gigantischen Bauwerken gesehen. Doch nichts kann vermitteln, was man empfindet, wenn man dann tatsächlich davor steht.

Die Pharaonen der 4. Dynastie, die die Pyramiden als ihre Grabstätten errichten liessen, gaben ihnen den Namen „Haus der Ewigkeit“. Mit den übereinander geschichteten quaderförmigen Steinen wirken sie wie eine Treppe in den Himmel.

Die größte Pyramide ist die des Pharaos Cheops, die 137 Meter misst. Bei ihrer Fertigstellung vor mehr als 4.600 Jahren war sie um einiges höher. Heute fehlt die gesamte Verkleidung aus blankgeschliffenen Granitplatten. Die Reihe Steinquader direkt über dem Boden ist höher als ein Mensch. Man ist sich bis heute nicht sicher, wie die alten Ägypter es angestellt haben, diese Bauvorhaben in die Tat umzusetzen. Auch wissen wir nicht exakt, wieviele Steine verbaut wurden. Im Innern aller drei Pyramiden befinden sich mehrere Gänge und Kammern, die allerdings völlig leer vorgefunden worden waren. Keine Mumie, kein Sarkophag, keine Grabbeigaben, keine Hieroglyphen – gar nichts. Aber wer ahnt schon, was in 4.600 alles passiert sein kann.

Die zweitgrößte Pyramide wurde für Chefren, den Sohn Cheops’, gebaut. An ihrer Spitze ist noch ein wenig von der Außenverkleidung zu sehen, die früher angeblich bunt bemalt war. Zu Chefrens Pyramide gehört auch der 18 Meter hohe Sphinx. Der Legende nach befand sich an der Stelle damals ein kleiner Berg, der die Sicht auf die Pyramide verdeckte. Chefren befahl seinem Baumeister, den störenden Berg abtragen zu lassen, doch der hatte eine bessere Idee und liess aus dem Brocken den Sphinx herausarbeiten. Es gibt verschiedene Theorien, warum der Sphinx seine Nase verloren hat. Da ist beispielsweise von Soldaten die Rede, die den Sphinx als Zielscheibe für Schiessübungen missbrauchten. Der wahrscheinlichste Grund ist wohl ein islamistischer Anschlag. Als allerdings Mohamed unser kleines Grüppchen fragte, wer Schuld sei, kam die einstimmige Antwort: Obelix natürlich!

Weil die Nase fehlt, ist das Gesicht des Sphinx leider sehr entstellt. Wahrscheinlich trägt er das Antlitz Chefrens. Der Zeremonialbart befindet sich übrigens im Louvre in Paris – Napoleon nahm ihn mit, nachdem er zwei Jahre lang in Ägypten festgesessen war.

Die dritte der großen Pyramiden auf der Hochebene von Gizeh wurde für Mykerinos gebaut, dem Sohn Chefrens. Diese Pyramide hat seit einem islamistischen Anschlag (schon wieder!) einen ziemlichen Erker. Manchmal fragt man sich schon, was in diesen Typen vorgeht…

Zu jeder der drei großen Pyramiden gehören auch einige kleinere für nahe Angehörige, sowie weitere Grabstätten für den Baumeister und für Arbeiter, die sich besonders verdient machten. Eine dieser Grabstätten kann man besichtigen. Hier ist alles doch entschieden bescheidener gehalten als in den Gräbern im Tal der Könige! Allerdings findet man hier durchaus ein paar Statuen und Inschriften, was in den großen Pyramiden ja nicht der Fall ist.

Auch eine der Nebenpyramiden kann besichtigt werden. Mein Mann meinte, dass sich der 12 Meter lange Abstieg auf ein paar schmalen Eisensprossen in absoluter Dunkelheit und Enge nicht unbedingt lohne. Ich hatte gleich darauf verzichtet, dieses sportliche Ereignis zu erleben – es ist wohl niemandem zu empfehlen, der zur Klaustrophobie neigt… Markus jedenfalls meinte, dass es da unten einfach nur einen winzigen Raum gegeben habe, der nichts spannendes zu bieten habe. Na dann!

Wir fuhren anschliessend zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen umfassenden Blick auf alle Pyramiden hat. Und man stelle sich vor: Diese Spinner haben doch tatsächlich eine Straße gebaut, die zwischen den zwei großen Pyramiden hindurchführt! Ich denke mal, dass das nicht im Sinne der Pharaonen war, die dort begraben waren…

Der Blick von diesem Punkt aus ist herrlich – wenn man sich den Smog wegdenkt. Über Kairo hängt eine graue Dunstglocke, die vor allem morgens besonders schlimm ist. So sieht man die Pyramiden eben im Nebel, was schade ist. Noch immer nicht ganz in die Wirklichkeit zurück gekehrt, stieg ich schliesslich wieder in den Bus und es ging weiter.

Ägypten hat, wie bereits schon erwähnt, nicht nur Sehenswürdigkeiten aus längst vergangenen Zeiten. Eines der markantesten Wahrzeichen Kairos ist die berühmte Alabastermoschee von Mohamed Ali, der sie im Jahre 1830 erbauen liess. Mohamed Ali war von 1805 – 1848 König von Ägypten. Er öffnete das Land nach Europa, was Ägypten wirtschaftlich voran brachte. Viele Europäer kamen zu jener Zeit nach Ägypten, denn die Schätze des alten Ägypten, die erst seit kurzer Zeit nach und nach entdeckt wurden, lockten viele Forscher und Abenteurer an. Das gesamte Gebäude, auch die Innenräume, sind mit Alabaster verkleidet. Es gibt einen großen Vorplatz, der mit einem Säulengang umfasst ist. Hier steht auch ein großer Brunnen, an dem die Gläubigen sich waschen konnten, bevor sie zum Gebet die Moschee betraten. Wenn man den Hauptraum der Moschee betritt, verschlägt es einem erstmal den Atem. Der Raum ist 52 Meter hoch und befindet sich unter der 21 Meter durchmessenden Kuppel. Der üppige Alabasterschmuck und die an Ketten aufgehängten Kristalleuchten geben dem Raum etwas Erhabenes. Der griechische Architekt, der für den Bau verantwortlich war, kann durchaus als großer Künstler betrachtet werden.

Reiseleiter Mohamed wurde von einem Touristen aus Saudi Arabien angesprochen, was zur Folge hatte, dass die beiden minutenlang darüber stritten, ob da unter der Kupel tatsächlich ein Davidstern zu sehen war. Letztendlich bräuchte man sich aber nicht wundern, wenn dem wirklich so sei, denn wer weiss schon, ob unter den Arbeitern nicht auch der eine oder andere Jude war? Wenn man die Augen offen hält, kann man hier und da auch ein Kreuz sehen. Das liegt eben daran, dass sich zur Zeit des Baus der Moschee viele Franzosen in Ägypten aufhielten… Die Moschee befindet sich inmitten der Umfassungsmauern einer großen Zitadelle, welche von Sala Al-Din errichtet worden war als Verteidigungsposten gegen die Kreuzritter, welche sich hier auch die Zähne ausbissen und unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten.

Woran wohl kein Ägypten-Tourist vorbei kommt, ist ein Besuch im Ägyptischen Museum von Kairo. Leider ist dieses Museum vor allen Dingen Lagerstätte. Das Gebäude ist viel zu klein und die Angestellten scheinbar nicht sonderlich motiviert. Überall stehen Kisten herum und die Ausstellungsstücke sind teilweise recht lieblos in den Räumen verteilt, teilweise völlig zusammenhanglos. Aber es gibt Hoffnung: Die UNESCO baut derzeit ein neues Museum.

Bevor man aber das Museum betreten kann, muss man zweimal (!) durch eine Sicherheitskontrolle. Irgendwie hatten wir uns mittlerweile daran gewöhnt – schon erstaunlich, wie schnell das ging…

Ungeachtet des allgemeinen Durcheinanders findet man in diesem Museum sehr schöne Zeugnisse vergangener Epochen. Statuen, Papyri, Schmuck, Werkzeuge, Grabbeigaben…

An diesem Tag war ich nicht die Einzige, die an gesundheitlichen Problemen litt. Die schwüle Luft in den Ausstellungsräumen machte so manchem Kreislauf zu schaffen. Ich fühlte mich so richtig krank an dem Tag. Meine Rettung war der gute Tutanchamun. Im Grab des mit 18 Jahren viel zu jung verstorbenen Pharaos fand man unglaubliche Kostbarkeiten. Die aus purem Gold gefertigte Totenmaske und den Sarkophag kennt man ja. Aber da gab es noch erstaunliche Mengen an Grabbeigaben: Schmuck, Gefäße, Götterfiguren und vieles mehr. Diese ganze Pracht wird in einem gut klimatisiertem Tresorraum aufbewahrt. Die kühle Luft erweckte meine Lebensgeister wieder, so dass ich die phantastischen Ausstellungsstücke auch mit der nötigen Begeisterung würdigen konnte.

Zwei Stunden im Ägyptischen Museum sind garantiert 50 zu wenig. Der Umfang der Sammlung ist riesig. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass hier bei Weitem nicht alle Fundstücke aufbewahrt werden. Durch die im 19. Jahrhundert vertretene Politik, dass die ausländischen Archäologen die Hälfte ihrer Funde mit nach Hause nehmen durften, befindet sich ein Großteil davon in aller Herren Länder. Die ägyptische Sammlung des Britischen Museums in London zum Beispiel ist auch recht umfangreich…

Das Mittagessen nahmen wir in einem Fischlokal auf dem Nil ein. Danach machten wir uns wieder auf den Weg zurück nach Hurghada, den ich größtenteils verschlief.

 
Bilder des 13. Reisetages
Pyramiden von Gizeh (in neuem Fenster)
Pyramiden von Gizeh
Der Sphinx (in neuem Fenster)
Der Sphinx
Der Sphinx mit der Pyramide von Chefren (in neuem Fenster)
Der Sphinx mit der Pyramide von Chefren
Moschee von Mohammed-Ali (in neuem Fenster)
Moschee von Mohammed-Ali
Moschee in Kairo (in neuem Fenster)
Moschee in Kairo
Zitadelle von Saladin (in neuem Fenster)
Zitadelle von Saladin
Zitadelle von Saladin (in neuem Fenster)
Zitadelle von Saladin
Wetter in Ägypten
Alexandria: 22°C
Kairo: 31°C
Luxor: 36°C
Assuan: 37°C