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Hieroglyphen

Als Hieroglyphen (altgr. ἱερός, hieros: "heilig"; γλύφω, glyphö: "(in Stein) gravieren/ritzen"; davon abgeleitet ἱερογλυφικα γράμματα, hieroglyphika grammata: "die heiligen Schriftzeichen") bezeichnet man eines der altägyptischen Schriftsysteme. Ägyptische Hieroglyphen sind eine Bilderschrift, die etwa im Zeitraum von 4000 v. Chr. bis 300 v. Chr. in Ägypten benutzt wurde. Sie setzt sich aus Lautzeichen, Sinnzusammenhangszeichen und Bildzeichen zusammen. Eine Abwandlung dieser Schrift ist heute noch in koptischen religösen Texten in Gebrauch, die Hinweise auf Übersetzung und Aussprache geben.

Geschichte und Entwicklung

Frühzeit und Entstehung

Die ersten Hieroglyphen wurden im Niltal in der Vordynastischen Zeit erfunden. Nach altägyptischen Sagen soll der Gott Thot die Hieroglyphen geschaffen haben. Die Hieroglyphenschrift begann in frühgeschichtlicher Zeit als Notationssystem zur Abrechnung von Steuerzahlungen und wurde mit steigendem Bedürfnis an die zu kommunizierenden Inhalte weiterentwickelt und um Lautzeichen erweitert. Durch die Verbindung von Lautbildern konnte man so eine grobe Form jedes Wortes herstellen. Das System erwies sich auch ohne den Versuch, Vokale zu symbolisieren als erfolgreich. Die ägyptische Schrift ist eine Lautschrift.

Verbreitung

Unterägypten wurde um 1650 v. Chr. vom asiatisch-semitischen Stamm der Hyksos (Fürsten der Fremdländer) überfallen und besetzt. Die Hyksos führten Pferd und Wagen in Ägypten ein. Die neuen Herrscher übernahmen die Hieroglyphen und entwickelten sie weiter, indem sie neue, eigenständige Elemente mit in die Schrift einbrachten. Als sie knapp 100 Jahre später aus dem wieder erstarkten Ägypten vertrieben wurden, nahmen sie das Wissen um die Schrift mit sich und verbreiteten sie weiter.

In der folgenden Zeit verbreiteten die Ägypter mit Feldzügen in die benachbarten Gebiete ihre Kultur und somit auch ihre Schrift in weiten Teilen des Mittelmeerraumes.

Zu einem der eroberten Gebiete gehörte auch die im 3. Jahrtausend v. Chr. entstandene westsemitische Stadt Byblos (gr. Schreibmaterial) im heutigen Libanon, die im phönizischen Herrschaftsgebiet lag und sich schnell zur Handelsmetropole zwischen den einheimischen Stämmen und dem reichen Ägypten entwickelte. Die ägyptischen Beamten nutzten auch hier ihre heimatliche Schrift weiter.

Doch die fremden Einflüsse ließen sich in einer heimatfremden Stadt, die zudem noch ein Zentrum des Handels darstellte, nicht gänzlich ausschalten. Durch diese Tatsache und der Suche nach einer Vereinfachung der hieratischen Schrift der Ägypter wurden die Symbole meist nur noch verstümmelt eingesetzt. Schließlich machte sie einer neuen Form der Schrift Platz, einer Silbenschrift. Mit dem Wegfall der Hieroglyphen aus dem allgemeinen Gebrauch verfiel auch das Wissen um ihre Entzifferung.

Ptolemäische Zeit

Von 323 bis 30 v. Chr. herrschten die Ptolemäer (makedonische Griechen) über das Land und die Verwaltungssprache war griechisch. Trotzdem blieb die Hieroglyphenschrift für sakrale Texte in Verwendung. Dabei entwickelte man enorm viele neue Zeichen, der etwa 600 Zeichen umfassenden Zeichensatz des Mittelägyptischen wurden auf mehrere tausend Zeichen erweitert.

Für Verträge wurde unter anderem das Demotische verwendet. Es galt das Recht, in dessen Sprache der Vertrag verfasst war; so gibt es Verträge, die bilingual verfasst sind. Dieser Umstand ist wichtig, da zum Beispiel Frauen nach ägyptischem Recht Verträge abschließen konnten, nach griechischem jedoch nicht. Ein in beiden Sprachen oder Schriften verfasster Vertrag konnte so in der demotischen Fassung von einer Frau gezeichnet sein, in der griechischen musste ein nah verwandtes männliches Familienmitglied (Ehemann, Vater, Bruder, …) unterschreiben.

Schrift

Schriftsysteme

Im alten Ägypten wurden Schriften in Hieroglyphen, Hieratisch, später Demotisch und Koptisch verfasst.

Hieroglyphen

Hieroglyphen sind eine Monumentalschrift. Das Schriftsystem hinter den Hieroglyphen ist auf die Verwendung an Tempel- oder Grabwänden ausgerichtet und beinhaltet neben orthographischen Aspekten sehr viele Eigenheiten die sich ausschließlich mit der Schönheit der angebrachten Schrift oder Erfordernissen wie Platzausnutzung erklären lassen. So ist die Schreibung ägyptischer Worte auch innerhalb eines Textes durchaus variabel. Bei der Hieroglyphenschrift handelt es sich trotz der starken Bildhaftigkeit (derer sich die Ägypter bewusst waren), kaum um eine Bilderschrift. Man kann die Hieroglyphen als Schönschrift zur Hieratischen Schrift verstehen.

Hieratische Schrift

Die hieratische Schrift oder die Priesterschrift ist ebenso alt wie die Hieroglyphenschrift. Herodot überliefert, dass sie vorwiegend von Priestern verwendet wurde. Sie ist eine kursive Variante der Hieroglyphenschrift, die zum Schreiben mit einer Binse auf Papyrus oder ähnlich geeignetem Material (wie Ostraka aus Kalkstein oder Ton) gedacht war. Außer für religiöse Zwecke wurde sie auch für weltliche Angelegenheiten genutzt. Die Schrift bildet die gleichen Elemente wie die Hieroglyphen ab. Dadurch, dass sie schnell geschrieben wurde, flossen die Zeichen aber häufiger ineinander und abstrahierten im Laufe der Zeit immer stärker von den bildhaften Hieroglyphen. Hieratisch wird ursprünglich in Kolumnen, später in Zeilen und von rechts nach links geschrieben.

Demotisch

Um 650 v. Chr. wurde eine noch flüssigere und stärker von den Hieroglyphen abstrahierende Kursivschrift, das Demotische, auch Volksschrift genannt, entwickelt. Sie entstand als Kanzleischrift. Ihre Zeichen hängen zusammen und sie wurde zur Gebrauchsschrift in Ägypten. Der Stein von Rosetta ist das Schlüsseldokument, anhand dessen Champollion die Hieroglyphen entziffern konnte (siehe unten), denn der Text darauf ist in drei Schriften abgefasst: in Hieroglyphen, in Demotisch und Griechisch.

Koptische Schrift

Verwandtschaft von Koptisch und Hieroglyphen Die Koptische Sprache hat sich aus dem Altägyptischen entwickelt, enthält aber auch viele griechische Wortstämme. Die Koptische Schrift benutzt das griechische Alphabet mit einigen aus dem Demotischen übernommenen Sonderzeichen. Es gibt mehrere typisch koptische Schriftarten. Koptisch als Schrift und als Sprache ist heute noch in der Koptischen Kirche für Liturgie-Zwecke in Verwendung, wird jedoch zunehmend von Arabisch verdrängt.

Schriftrichtung

Die Schriftzeichen können von rechts nach links oder links nach rechts und immer nur von oben nach unten angeordnet werden. Die Zeichen können in Zeilen (horizontal) oder Kolumnen (vertikal) aneinander gereiht werden. Innerhalb einer Zeile oder Kolumne ändert sich die Richtung der Hieroglyphen normalerweise nicht. Die genaue Anordnung unterliegt dabei ästhetischen Regeln. Die Schriftrichtung ist sehr leicht festzustellen, da die Zeichen immer in Richtung Textanfang gewandt sind, also dem Leser „entgegenblicken“. Am deutlichsten sieht man es bei der Darstellung von Tierformen oder Menschen. Die Texte setzen sich aus Substantiven, Verben und anderen Wortarten zusammen, die nach strengen Wortstellungsregeln angeordnet sind. Leerzeichen gibt es nicht. Man erkennt das Ende eines Wortes häufig an dem darauffolgenden Deutzeichen.

Die Ägypter versuchten darüber hinaus, immer in optisch schönen Rechtecken zu schreiben. Beispiel:

Das Wort 'Ptolemäus':

p
t
wA l
M
i i s

In modernen Buchstaben:

P
T
O L
M
E E S

Funktion der Hieroglyphen

Ägyptische Hieroglyphen können die Funktion von Ideogrammen, Phonogrammen oder Determinativen übernehmen. Ein Hieroglyphenzeichen kann dabei je nach Kontext in jede dieser Funktionen treten. Aufschluss darüber, ob und wie ein Zeichen gelesen werden kann, gibt im Zweifelsfall die Zeichenliste der Gardiner-Grammatik.

Glyphe Funktion Bedeutung
pr
Z1
Ideogramm Haus
pr Phonogramm Lautbestand pr
pr Determinativ das Haus betreffend

Phonogramme

(Ein-, Zwei-, Drei- oder Mehrkonsonantenzeichen z. B. R, A, mn, dsch) Phonogramme (Lautzeichen) werden ausschließlich wegen ihres Lautwertes benutzt und haben keinen Bezug zu dem Wort, das sie darstellen. Grundsätzlich gibt es wie im modernen Arabisch keine besonderen Zeichen für Vokale. Dagegen gibt es Zeichen für Konsonanten (Einlautzeichen), auch Zeichen für Silben wie für wu oder wun oder neb (Zwei- oder Mehrlautzeichen). Da die Vokale weggelassen werden, stehen in einem Hieroglyphenwort meist nur Konsonanten. Es gibt auch Zeichen für zwei nebeneinander stehende Konsonanten, egal ob nun ein Vokal oder nicht dazwischen auszusprechen war, zum Beispiel: mama-mm.

Eine Hieroglyphe kann mehrere verschiedene Lautbestände darstellen. Der konkrete Lautbestand, der durch eine Hieroglyphe dargestellt wird, ergibt sich aus dem Kontext (z. B. dem Determinativ) oder durch eine phonetische Komplementierung.

Einkonsonantenzeichen – "Alphabet"

Oft findet man moderne Vornamen in Hieroglyphen geschrieben. Dazu benötigt man natürlich ein Alphabet mit etwa 25 Hieroglyphen (siehe auch Hieroglyphen-ABC). Aber niemand weiß genau, wie die Hieroglyphen auszusprechen waren. Da selbst Ägypter nicht immer die gleichen Hieroglyphen benutzten, verbreiteten sich viele verschiedene Schreibweisen in USA, Europa und der ganzen Welt.

Übersicht über Einkonsonantenzeichen

Mehrkonsonantenzeichen

Die kleinen e sind die nach internationaler Konvention hinzugefügten Laute, um die Aussprache (siehe ebenda) zu erleichtern.

HeR
D2

TeP
D1

IR
D4

KA
D28

Semogramme, Logogramme, Ideogramme

(Bezeichnung eines Lautwerts (Wortes) etwa: Himmel, Haus) Ideogramme (Begriffszeichen) stellen ein spezifisches Objekt oder etwas nahe Verwandtes dar. So könnte das Zeichen für Sonne Sonne oder Tag bedeuten. Sie stehen für ganze Worte, wie etwa für Kind oder Tier. Die ägyptischen Götter hatten auch noch spezielle Zeichen. Manche Wörter kamen so häufig vor, dass man für diese Wörter ein einziges Zeichen benutzte und es immer wieder verwendete.

Haus (PR)
O1
Z1

Sonne, Gott Re (RA)
N5
Z1

Determinative

(Deutzeichen, Kennzeichen sprachlicher Einheiten, wie aus Holz, weiblich, etwas Himmlisches) Wenn man zum Beispiel ein Junge ist, muss man einen Jungen hinter dem Wort Ich malen, und ein Mädchen muss dann natürlich hinter dem Ich ein Mädchen malen. Wörter die sich auf den König oder die Götter bezogen, wurden meist durch eine Schleife um das Wort hervorgehoben (Kartusche).

Das Bild eines Objektes kann nicht nur für das Wort selbst stehen, sondern auch für ein Wort gleicher Lautung aber unterschiedlicher Bedeutung – so hat beispielsweise der Grundriss eines Hauses die Bedeutung Haus, in Verbindung laufender Beine bedeutet es jedoch ausgehen. Dieses Prinzip machte es möglich, Eigennamen, abstrakte Vorstellungen und grammatische Elemente zu schreiben. Am Ende eines Wortes stand meist eine Determinativa, die anzeigte, welcher Kategorie dieses Wort angehörte (z. B. zeigte die Papyrusrolle eine abstrakte Bedeutung für das Wort an).

Sachen die etwas zu tun haben mit:

Hieroglyphe Bedeutung
B1 Frau
A17 Kind
A1 Mann
A42 König
A2 Kopf
(essen, gucken)
D40 Kraft
D54 Bewegung
M3 Holz

Namen wurden beispielsweise in der Hieroglyphenschrift mit den Determinativen

A1 für Mann bzw.

B1 für Frau abgeschlossen.

Zahlen

Das Zahlensystem ist relativ einfach vom heutigen Standpunkt. Die Ägypter benutzten wie wir das Zehnersystem. Für Einer, Zehner, Hunderter und so weiter gab es immer ein bestimmtes Zeichen. So musste man nur die jeweiligen Zeichen zählen und zusammen rechnen.

Hieroglyphe Bedeutung
Z1 1
Z1 Z1 2
Z1 Z1 Z1 3
V20 10
V20 V20 20
V20 V20 V20 30
Z7 100
M12 1.000
D50 10.000
I8 100.000
C11 1.000.000

Brüche

Die Stammbrüche (1:x), speziell die Zweierpotenzen (2,4,8,16…) haben die Ägypter als Elemente des Udjat-Auges geschrieben. Das Udjat-Auge ist das von Thot geheilte, wiederhergestellte Auge des Horus (Mondauge). Die einzelnen Teile des Udjat-Auges dienen als Bruchteile des Hohlmaßes hekat (1 Hekat = 4,8 Liter). Die Summe der Bruchzahlen ergibt 63:64; 1:64 hat Thot angeblich verschwinden lassen.

Übersetzung

Die Entzifferung der Hieroglyphen gelang 1822 Jean-François Champollion, nachdem ihre Bedeutung 1500 Jahre zuvor verloren gegangen war, mit Hilfe des Steins von Rosetta. Bis heute sind rund 6.000 Symbole bekannt. Der Stein von Rosetta wurde während Napoleons Ägyptenexpedition bei Schanzarbeiten (Bauen einer Militärschanze) nahe der Stadt Rosetta gefunden.

Die durch Athanasius Kircher veröffentlichte koptische Grammatik und die damit verbundene Kenntnis des Koptischen bildete eine Grundlage zur Wiedergewinnung des altägyptischen Wortschatzes.

Transkription

Bei der Übersetzung hieroglyphischer Texte wird häufig erst eine Transkription in ägyptologische Umschrift angefertigt. Dieser Vorgang ist nur in die eine Richtung eindeutig, sprich hieroglyphische Repräsentationen lassen sich aus einem Text in Umschrift nicht mehr rückgewinnen. Für Umschrift werden verschiedene Systeme verwendet, die allerdings alle mehr oder weniger die gleichen Laute darstellen. Im Internet und z. B. für Zeichenbelegungen von Fonts ist die Kodierung der Umschrift nach Manuel de Codage üblich. Sinn der Umsetzung in Umschrift ist die Verdeutlichung der Lesung der Hieroglyphen.

Hieratische Texte werden vor der Transkription in Umschrift häufig erst in Hieroglyphen überführt (Transliteration) und so auch veröffentlicht, damit die Identifizierung der Schriftzeichen mit entsprechenden Hieroglyphen verdeutlicht werden kann. Die Identifizierung der kursiven Schriftzeichen ist zum Teil nur durch Experten durchführbar, und nicht von allen mit der Hieroglyphenschrift Vertrauten einfach nachzuvollziehen.

Demotische Texte hingegen werden üblicherweise nicht erst transliteriert, sondern direkt in Umschrift transkribiert. Die Demotistik ist ein spezieller Zweig der Ägyptologie und das Lesen dieser Schrift bedarf einer gesonderten Ausbildung.

Aussprache

Da die Hieroglyphenschrift zu einer Sprache gehört, die seit spätestens dem 17. Jahrhundert mit Verdrängung des Koptischen als Verkehrssprache vom Arabischen tot ist und darin auch keine Vokale notiert werden, hat man Schwierigkeiten beim Transkribieren der hieroglyphischen Texte in moderne Alphabete. So kommen die recht verschiedenen Schreibweisen des gleichen Namens zustande, wie zum Beispiel: Nofretete im Deutschen und Nefertiti im Englischen. Die altägyptische Sprache spricht keiner mehr, so weiß man leider auch nicht, wie das Altägyptische auszusprechen ist. Einen Anhaltspunkt bilden die Kopten, die ca. 8 Millionen ägyptisch-orthodoxen Christen, die ihre religiösen Texte zum Teil immer noch in koptischer Schrift verfassen und Koptisch zu Liturgie-Zwecken sprechen. Allerdings resultiert das modern gesprochene Koptisch aus einer Aussprache-Reform und gibt damit trotz altägyptischer Wurzeln nur wenig Auskunft über die Aussprache des Altägyptischen.

Anmerkung: Heutzutage spricht man in Ägypten im Alltag Arabisch. Auch in der Koptischen Kirche verdrängt Arabisch zunehmend Koptisch als Liturgie-Sprache.

Rekonstruktionsversuche der Aussprache des Altägyptischen gibt und gab es immer wieder – unter anderem auch für den Film Die Mumie.

Ägyptologen behelfen sich bei der Aussprache der ägyptischen Vokabeln dadurch, dass zwischen Konsonanten ein e eingefügt wird. Das ist die Regel, aber nicht ohne Ausnahme: so werden zum Beispiel Königsnamen auch nach überlieferten griechischen Schreibungen ausgesprochen und für einige Vokabeln haben sich auch Sprechweisen eingebürgert, die sich dann je nach Ägyptologen-Schule auch unterscheiden können.

Altägyptische Literatur

Die Literatur dieser Zeit beschäftigte sich vor allem mit folgenden Bereichen:

  • der wissenschaftlichen Literatur: Sie umfasste vor allem die Medizin, Astronomie und die Mathematik;
  • der schönen Literatur mit einer Fülle von Erzählungen und Märchen;
  • religiöse Texte.

Recht selten sind (quasi-)alltägliche Texte überliefert, die einen besseren Einblick in die damalige Lebensweise geben. Umfassendster Lieferant an Quellen dieser Art ist der Brunnen von Deir el-Medina, dem Arbeiterdorf des Tales der Könige, der nach gescheiterten Versuchen auf Wasser zu treffen, mit Ostraka verfüllt wurde. Bei der Bewertung der Quellen aus Deir el-Medina darf nicht vergessen werden, dass dessen Bewohnerschaft verhältnismäßig privilegiert war. Sonst überliefert sind beispielsweise Übungstexte aus Schreibschulen, die zum einen das Pensum der Schüler und ihr Verhältnis zu den Lehrern zeigen und zum andern inhaltlich oft die besondere Stellung der Schreiber in der Gesellschaft herausstellen.

Die Fähigkeit zum Schreiben besaß nicht jeder im Lande. So gab es hohe Stellen an Königshäusern als Schreiber. Die Grundfarben des Schreibers waren Schwarz und Rot.

Hieroglyphen werden von den Ägyptern selbst als ein Geschenk der Götter und als heilig betrachtet. Hieroglyphen (nicht deren Kursive) wurden primär zum Anbringen von Texten an z. B. Tempelwänden, Heiligtümern oder in Gräbern verwendet. Daher rührt vermutlich auch ihr Name, griechisch hieros, heilig, und glyphein, einmeißeln. Aber auch die eigene Geschichte wird aufgezeichnet, Königslisten, Hochzeiten und Schlachten werden niedergeschrieben. Verkaufs- und Eheverträge werden erstellt und eine Fülle an literarischen Werken angefertigt – diese allerdings üblicherweise in kursiven Schriften. Das bekannteste Literaturdenkmal ist das Totenbuch der 19. Dynastie aus dem 13. Jahrhundert v. Chr.. Gleichfalls entstehen geographische und naturwissenschaftliche Dokumente, Schriften über Pharmazie, Medizin, Weissagekunst, Magie, Küche, Astronomie und Zeitmessung. Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. wird statt des Mondkalenders der Sonnenkalender mit 365 1/4 Tagen pro Jahr eingeführt.

Der Beruf des Schreibers

Die Schreiber bilden zunehmend eine privilegierte Kaste. Sie kontrollieren die Steuereinnahmen und die Ausbildung, die durch die Vielfalt der Zeichen sehr schwierig ist. Nur die begabtesten Schüler studieren bis in das Erwachsenenalter hinein. Diktate und Abschreibübungen sind an der Tagesordnung. Faule Schüler werden durch Züchtigungen und sogar Gefängnisstrafen diszipliniert.

Die Ausbildung zum Schreiber begann mit einer der Kursivschriften (Hieratisch oder Demotisch). Die Hieroglyphen wurden später gelernt und wurden nicht von jedem Schreiber beherrscht. Heute lernt man erst die Hieroglyphen und dann die Kursivschriften.

Schriftmedien

Die Ägypter verwandten als Schriftmedien Stein, Ton, aber auch Rollen aus Papyrus, Leder und Leinen, die sie kunstvoll mit kolorierten Bildern versehen. Die Werkzeuge des Schreibers sind

  • ein meist hölzernes Etui mit mehreren Schreibrohren, die am Ende entweder flachgehämmert oder schräg geschnitten sind,
  • eine Platte als Unterlage und zum Glätten des Papyrus,
  • ein Vorrat an schwarzer Tinte (aus Rußpulver, als Bindemittel wird Gummi arabicum verwendet),
  • und einer mit roter Tinte für Titel, Überschriften und Kapitelanfänge (siehe Rubrum) nicht jedoch für Götternamen (aus Zinnoberpulver, einer Quecksilber-Schwefel-Verbindung oder aus Bleioxid),
  • ein Fässchen für Wasser, mit dem die Tinte angerührt wird
  • und ein Messer zum Schneiden des Papyrus.

Der längste erhaltene Papyrus misst 40 Meter. Leder wird vorwiegend für Texte von großer Bedeutung verwendet.

Quelle: Wikipedia (externer Link in englisch in neuem Fenster)